Preisträger:innen 2026

Junge Verantwortungsträger: Bundesschülerkonferenz mit Hildegard-Hamm-Brücher-Preis für demokratisches Handeln 2026 ausgezeichnet
Seit 2004 vertritt die Bundesschülerkonferenz (BSK) überparteilich und überkonfessionell die Interessen von Schülerinnen und Schülern aus 15 Bundesländern. Als bundesweites Gremium bündelt sie Perspektiven junger Menschen, fördert den Austausch zwischen den Landesschülervertretungen und bringt sich aktiv in bildungspolitische Debatten ein. Dabei setzt sich die BSK konsequent für die Mitbestimmung der Schülerschaft im Schulwesen ein und steht im kontinuierlichen Dialog mit Behörden, Institutionen und zivilgesellschaftlichen Akteuren.
Mit der Kampagne „Uns geht’s gut?“ richtet die Bundesschülerkonferenz seit 2025 den Fokus auf die zunehmende Belastung der mentalen Gesundheit junger Menschen. In einem 10-Punkte-Plan fordert sie, psychischen Herausforderungen im Bildungssystem endlich die notwendige Aufmerksamkeit einzuräumen. Einen zentralen Raum für Austausch und Lösungsansätze bietet der von der BSK organisierte Bildungskongress im Januar 2026, bei dem Schüler und Schülerinnen gemeinsam an Ideen für ein gesünderes und zukunftsfähiges Bildungssystem arbeiten. Darüber hinaus verleiht die Bundesschülerkonferenz ihren Anliegen öffentlich Gehör. Durch mediale Auftritte und Positionspapiere bringt sie die Perspektiven junger Menschen zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen in politische Diskurse ein, etwa zur Social-Media-Altersgrenze, zum Wehrdienst oder zur Reform der Alterssicherung.
Als selbstorganisiertes, bundesweites Schülergremium steht die Bundesschülerkonferenz beispielhaft für gelebte Demokratie. Hier übernehmen junge Menschen Verantwortung, artikulieren ihre Interessen und wirken wirksam an politischen Entscheidungsprozessen mit. Auf diese Weise stärkt die Bundesschülerkonferenz das demokratische Bewusstsein vieler Jugendlicher und zeigt, wie demokratische Teilhabe bereits früh gelingen kann. Dieses Engagement wird mit dem Hildegard-Hamm-Brücher-Preis für demokratisches Handeln gewürdigt. Der seit 2009 vergebene Preis zeichnet herausragende Persönlichkeiten und Initiativen aus, die sich in besonderer Weise für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen. Dank der Heidehof Stiftung konnten in den vergangenen Jahren unter anderem Düzen Tekkal (2023), Neven Subotić (2024) und Jakob Springfeld (2025) geehrt werden. In diesem Jahr wird der Preis mit Unterstützung der Neumayer Stiftung vergeben. Mit der Auszeichnung wird das Engagement der Bundesschülerkonferenz und der beteiligten Schüler und Schülerinnen für Demokratie und Mitbestimmung gewürdigt.
Projekte
Neben dem Hildegard-Hamm-Brücher-Preis werden auch Hildegard-Hamm-Brücher-Förderpreise an Projekte des Bundeswettbewerbs „Demokratisch Handeln“ vergeben, die sich durch ein besonders herausragendes Engagement auszeichnen. Diese sind:
Erinnerungs-DING
Wie kann Erinnerungsarbeit inklusiv gestaltet werden? Dieser Frage gingen junge Menschen mit und ohne Behinderung im Projekt „Erinnerungs DING“ nach, das die IBB gGmbH Dortmund und die IN Gesellschaft e. V. von April bis Dezember 2025 umsetzten. Anlass war die Erfahrung, dass junge Menschen mit Behinderung immer wieder Ausgrenzung erleben, in Bildungsprojekten zur Geschichte des Nationalsozialismus jedoch selten einbezogen werden.
In Workshops, bei Exkursionen zu Gedenkorten, im Austausch mit Fachpersonen und durch Medienarbeit setzten sich die Jugendlichen mit der nationalsozialistischen Geschichte in Hamburg auseinander und reflektierten historische wie gegenwärtige Formen von Ableismus. Die Ergebnisse präsentierten sie in einem Podcast. In kleinen Gruppen übernahmen sie Recherche, Aufnahme und Schnitt und passten ihre Arbeitsweise an unterschiedliche Bedarfe an. Einfache Sprache und klar verteilte Rollen unterstützten die inklusive Zusammenarbeit.
Das Projekt stärkte die Teilnehmenden darin, für ihre Rechte einzustehen und sich gegen Ausgrenzung einzusetzen. Perspektivisch soll der Podcast schulisch genutzt und in weiteren inklusiven Formaten fortgeführt werden.
Kinderrechte
Unterstützt vom Stadtjugendring Kaufbeuren engagierten sich vier Schülerinnen dafür, ihre Mitmenschen für das Thema „Kinderrechte“ zu sensibilisieren. Vorausgegangen war die Beschäftigung mit dem Thema „Kinderarbeit“ im Ethikunterricht. Dadurch entstand bei den Mädchen der Wunsch, die Bedeutung von Kinderrechten in der Gesellschaft zu stärken. Durch verschiedene Aktionen wollten sie möglichst viele Menschen zur Unterstützung bewegen. Begleitet von der Koordinierungs- und Fachstelle „Demokratie leben!“ warben die vier Schülerinnen dafür in der Öffentlichkeit, starteten Plakat-Kampagnen und sammelten an eigenen Info-Ständen Unterschriften für ihr Anliegen. Außerdem stellten sie ihr Projekt vor zweihundert Jugendlichen beim Kaufbeurer Jugendforum vor. Durch die kontinuierliche Arbeit haben sich mittlerweile Unterstützer:innen unterschiedlichster Altersgruppen der Aktion angeschlossen. Das Thema der Kinderrechte soll den Mitgliedern des Stadtrats in Kaufbeuren vorgestellt werden, um diese öffentlichkeitswirksam als Mitunterzeichner:innen zu gewinnen. Langfristig sollen genügend Unterschriften gesammelt werden, um eine Petition für die Aufnahme von Kinderrechten in das Grundgesetz in den Bundestag zu bringen.
Couchgespräche
Schüler:innen des Gymnasiums Unterrieden in Sindelfingen treten in dem von ihnen entwickelten Format „Couchgespräche“ mit Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft in Dialog. Neben einem moderierten und live gestreamten Interview kann die gesamte Schülerschaft in Austausch mit den Gästen kommen. Aus der Beobachtung heraus, dass demokratische und wissenschaftliche Prozesse stärker unter Druck geraten, sollen die „Couchgespräche“ mit Inhalten den offenen Diskurs stärken. Nach eigenständiger Vorarbeit zu Themen und Personen stellt die Recherchegruppe gemeinsam mit den Moderator:innen einen Fragenkatalog zusammen. Eine weitere Gruppe erarbeitet ein Technikkonzept, ein drittes Team organisiert die Öffentlichkeitsarbeit. Die Gäste kommen aus Politik, Wissenschaft, Justiz und Medien. Dazu gehörten unter anderem eine Bundesverfassungsrichterin, eine Professorin, ein Minister und ein Nobelpreisträger. Ein inhaltlicher Austausch findet in beide Richtungen statt, da die Expert:innen durch das Gesprächsformat von den Sichtweisen jungen Menschen erfahren. An der Schule ist ein größeres politisches Interesse vorhanden, aus dem die Idee entstand, das Projekt „Schule als Staat“ am Gymnasium durchzuführen und damit selbst in die Rolle von Entscheider:innen schlüpfen zu können. Die „Couchgespräche“ sollen mit weiteren Gästen fortgesetzt werden.